Pachinger, Anton Maximilian: Brief an Gustav Gugitz. München, 1.9.1927
Stadtarchiv meiner große Linzer = Ansichtensammlung, die größte
in ihrer Art und die einschlägige Bibliothek verkauft, nach=
dem sowohl das German. wie das National=Museum erklärt
hatten, dass ihnen von meinem ganzen Nachlaß diese Samm=
lungsteile, die mir sehr wichtig waren, am uninteressan=
testen, also gewissermassen: Ballast seien. Der Preis war
natürlich ein so bescheidener, dass mich die Bücher allein
mehr kosteten, als für das ganze Zeug bezahlt wurde.
Aber: Es ist an den recht Platz gelangt und bleibt das, was
der Sammlerfleiß in 40 Jahren mühsam zusammengetragen,
auch beisammen und das ganze bleibt nach menschlicher Vor=
aussicht der Nachwelt erhalten. Wenn man alt geworden u.
keine Zukunft mehr hat, dann heißt's bei Zeiten an ein
Abschied nehmen denken von dem, was man geliebt und für
eine so kurze Zeitspanne zu leihen hatte! -
Wenn Sie, lieber Freund, in Linz sind, bitte fragen Sie für
alle Fälle bei mir an, ob ich dort bin. Ich weiß heut noch
nicht, ob ich morgen oder übermorgen fahren kann, denn es
hängt ganz von einem Honorar ab, ob ich das jetzt bekomme
oder bis Neujahr warten muß. Die Fahrt kostet eben 30 M.
das Leben ja nicht viel, aber die Haus=Restaurierung hat
alles flüßige Geld verschlungen, denn ich habe die meisten
Räume im Haus und muß den höchsten Beitrag zur Renovierung
bezahlen. Ich würde mich sehr über ein Wiedersehen freuen.
Herzlich wie immer grüßt Sie und die Ihren
Ihr getreuer alter
Pachinger
Senefelderstr. 5. II.