Alfons Petzold
Gries bei Bozen
15./XI. 1914.
Mein lieber Freund: das mit der Karte haben Sie miß=
verstanden. Schon der Nachsatz hätte Ihnen sagen müßen,
daß ich Sie nicht als den Verfaßer dieser gar unbe=
dachten Sätze ansah. Freilich glaubte ich, daß Sie davon
wüßten und darum die Verse. Auch ich wünschte in diesen
Tagen, die ich so wie Sie, furchtbar und über alles
Begreifen [ents]etzlich nenne, gar oft, mit Ihnen
persönlich über dieses grauenhafte Ereignis, seinen
Wirkungen, sprechen zu können. Vieles was
geschrieben, vielleicht beleidigend, unpassend aus=
sieht, wirkt gesprochen ganz anders, weil man es
hört ob das Herz hinter den Worten sitzt oder nur
das rechnende, abwägende Gehirn. Was meine Stel=
lung zum jetzigen Krieg betrifft, wissen Sie ja schon
aus einem meiner früheren Briefe. Nun will ich noch
etwas hinzufügen. Einer unserer ersten Führer
ein ehemaliger Arbeiter schreibt mir in zwei
wunderschönen Briefen, daß er meine Kriegsgedichte
versteht und meinem Denken über diesen Krieg
Gries bei Bozen
15./XI. 1914.
Mein lieber Freund: das mit der Karte haben Sie miß=
verstanden. Schon der Nachsatz hätte Ihnen sagen müßen,
daß ich Sie nicht als den Verfaßer dieser gar unbe=
dachten Sätze ansah. Freilich glaubte ich, daß Sie davon
wüßten und darum die Verse. Auch ich wünschte in diesen
Tagen, die ich so wie Sie, furchtbar und über alles
Begreifen [ents]etzlich nenne, gar oft, mit Ihnen
persönlich über dieses grauenhafte Ereignis, seinen
Wirkungen, sprechen zu können. Vieles was
geschrieben, vielleicht beleidigend, unpassend aus=
sieht, wirkt gesprochen ganz anders, weil man es
hört ob das Herz hinter den Worten sitzt oder nur
das rechnende, abwägende Gehirn. Was meine Stel=
lung zum jetzigen Krieg betrifft, wissen Sie ja schon
aus einem meiner früheren Briefe. Nun will ich noch
etwas hinzufügen. Einer unserer ersten Führer
ein ehemaliger Arbeiter schreibt mir in zwei
wunderschönen Briefen, daß er meine Kriegsgedichte
versteht und meinem Denken über diesen Krieg