Popper-Lynkeus, Josef: Brief an Eugen Kaniak. Wien, 26.7.1915
ne Wohnung, genauer: das Ruhe=
bett, nicht verlassen u. nicht
einmal meine Bibliothek be=
nützen konnte, weil jede
Bewegung . . nur schadet; ich
kann daher kein Buch
heraussuchen, u. Alles ist schon
seit Langem in voller Un=
ordnung. (Meine Selbstbio=
graphie wurde vor 2 Jahren
verfaßt u. lag seit Dezember
1913 fertig im imprimierten
Satz in Leipzig; in den Buch=
handel will Unesma sie erst
nach Friedensschluß bringen).
Ich kann also kein Materiale
beschaffen, um so weniger, als
ich seit ca. 14 Tagen an schreck=
lichen Blasenkrämpfen in
Folge einer Blasenentzün=
dung leide, durch die ich auch
geistig sehr herabgekommen bin.
Aber es sei wie immer, für
Freund Ofner werde ich et=
was sagen, u. hoffe, den
(kurzen) Aufsatz Ihnen bal=
digst einsenden zu können;
ich warte nur einen ruhigeren
Tag ab, an dem ich halbwegs
etwas ordentliches zusammen=
bringen kann. (Seit 2 Jahren
war ich förmlich geistig
impotent u. konnte gar nichts
schreiben).