Rieger, Erwin: Brief an Arthur Roessler. Salzburg, 20.12.1921
ERWIN RIEGER
Lieber, verehrter Herr Rössler,
lang, lang ists her... Jetzt aber kommen die Weihnachtstage,
ich erinnere mich der freundlichen Besuche in diesen Zeiten bei Ihnen,
ich sehe an der Wand das Bild Ihres schönen, gemütlichen Zimmers und ich
muss Ihnen endlich wieder schreiben, viel und lang. Ich habe in den letz-
ten Wochen sehr unruhig gelebt, hatte kein heizbares Zimmer und musste
frieren, jetzt aber ist alles wieder so ziemlich in Ordnung und ich be-
nütze einen schönen, warmen Tag, der an den kommenden Frühling glauben
lässt ( trotz allem ), um Ihnen für Ihren lieben Brief vom 10. November
recht herzlich zu danken. Sie wissen, dass ich ein paar Tage in Wien
war, aber es war so kurz und gedrängt und ich wagte es noch nicht, Ihnen
unter die Augen zu kommen. Jetzt aber ist alles vorbei; ich schreibe
bereits die verbesserte Marquise ab und sie geht auf alle Fälle noch in
diesem Monat an Herrn Brüll ab. In Wien habe ich mit Konegen sehr un-
geschickt abgeschlossen, aber Ihr lieber Brief kam damals zu spät: ich
hatte Herrn Stülpnagel schon andre Bedingungen vorgeschlagen wie jene,
die Sie mir andeuteten, aber das macht nichts. Die Hauptsache ist es
mir in diesem Fall, dass das Büchlein überhaupt bald erscheint und
ich bitte Sie recht herzlich, Ihren Einfluss gütigst dahin geltend zu
machen, dass das Manuskript, wie mir versprochen wurde, nach Weihnachten
wirklich in Satz geht. Darf ich in dieser Hinsicht auf Ihre gütige Un-
terstützung hoffen?
Und nun zu anderem: Wegen der Malermonographien, die Herr
Brüll wünscht, hat sich ein Freund in Paris bereits bei Crès ins Mittel
gelegt, die Verhandlungen schweben noch, da es ja darauf ankommt, die
Autorisationen billig zu erhalten. Ich glaube, dass das gelingen wird,