ERWIN RIEGER
Lieber, verehrter Herr Rössler,
ich beantworte Ihnen Ihren lieben Brief vom 20. erst heute, weil ich
mich in derletzten Zeit seelisch und körperlich nicht wohl befand. Das
ist auch jetzt noch nicht vorbei, aber besser. So will ich denn den
Brief versuchen. Vor allem : Ich war vorgestern bei Krimpelstätter, ob-
wohl Herr Brüll sich bei seinem Durchkommen, nach flüchtigem äusserli-
chen Anblick, dagegen aussprach. Von innen machte es einen guten Eindruck
auf mich. Ich sprach die Frau, die sich Ihrer nicht mehr zu entsinnen
scheint, aber meinte, dass nun alles voll wäre, die Herrschaften aber
im Laufe des Septembers anfragen sollten.- Ich komme um den zehnten na ch
Wien und reise gegen Ende des Monats hierher zurück. Wie wäre es denn,
wenn Sie dann mit mir fahren würden. Der Oktober ist hier meist so herr-
lich und ich bringe Sie dann gewiss irgendwo gut unter.
Uber den " Jedermann " und die " Jedermann-Tage " kein Wort. Es war zu
schauderhaft. Mit dem Villiers zeigt sich Herr Brüll nun in ihrem Sinne
einverstanden. Danke. Ich arbeite an "Akedysseril " und bringe sie fer=
tig nach Wien mit. Von einer Veröffentlichung des Mallarmé in Proben
will ich lieber absehen. Ich habe in die sem Sinne an den " Neuen Merkur"
geschrieben. Wozu Reklame? Es muss alles langsam kommen; und Ihre lieben
Zeilen über den Offenbach bestärken mich darin, dass es endlich auch
kommen wird. Obwohl mir der Weg so schwer gemacht wird. Wie sehne ich
mich nach der Freiheit, von der Sie sagen, dass sie mir not tue. Aber es
ist ja leider aus wirtschaftlichen Gründen nicht daran zu den ken. Und
vielleicht bin ich doch auch als " selbstständiger " Schriftsteller zu
schwach, umsomehr als ich mich nie und nimmer zu Kompromissen hergeben
Lieber, verehrter Herr Rössler,
ich beantworte Ihnen Ihren lieben Brief vom 20. erst heute, weil ich
mich in derletzten Zeit seelisch und körperlich nicht wohl befand. Das
ist auch jetzt noch nicht vorbei, aber besser. So will ich denn den
Brief versuchen. Vor allem : Ich war vorgestern bei Krimpelstätter, ob-
wohl Herr Brüll sich bei seinem Durchkommen, nach flüchtigem äusserli-
chen Anblick, dagegen aussprach. Von innen machte es einen guten Eindruck
auf mich. Ich sprach die Frau, die sich Ihrer nicht mehr zu entsinnen
scheint, aber meinte, dass nun alles voll wäre, die Herrschaften aber
im Laufe des Septembers anfragen sollten.- Ich komme um den zehnten na ch
Wien und reise gegen Ende des Monats hierher zurück. Wie wäre es denn,
wenn Sie dann mit mir fahren würden. Der Oktober ist hier meist so herr-
lich und ich bringe Sie dann gewiss irgendwo gut unter.
Uber den " Jedermann " und die " Jedermann-Tage " kein Wort. Es war zu
schauderhaft. Mit dem Villiers zeigt sich Herr Brüll nun in ihrem Sinne
einverstanden. Danke. Ich arbeite an "Akedysseril " und bringe sie fer=
tig nach Wien mit. Von einer Veröffentlichung des Mallarmé in Proben
will ich lieber absehen. Ich habe in die sem Sinne an den " Neuen Merkur"
geschrieben. Wozu Reklame? Es muss alles langsam kommen; und Ihre lieben
Zeilen über den Offenbach bestärken mich darin, dass es endlich auch
kommen wird. Obwohl mir der Weg so schwer gemacht wird. Wie sehne ich
mich nach der Freiheit, von der Sie sagen, dass sie mir not tue. Aber es
ist ja leider aus wirtschaftlichen Gründen nicht daran zu den ken. Und
vielleicht bin ich doch auch als " selbstständiger " Schriftsteller zu
schwach, umsomehr als ich mich nie und nimmer zu Kompromissen hergeben