Rieger, Erwin: Brief an Arthur Roessler. Salzburg, 2.9.1920
könnte. Aber die Arbeit für Sie möchte ich unter gar keinen Umständen
missen. Die hat mich stets nur gefreut und gefördert. Mit Ihren
Korrekturen der " Akedysseril " haben Sie mir einen grosen Dienst erwie=
sen; sie kommen mir bei der Durcharbeitung sehr zustatten.
Ich habe in derletzten Zeit mit Deutschland wieder eine sehr
schlechte Erfahrung gemacht. Durch die Charakterlosigkeit des Verlages
Georg Müller sehe ich mich vm viele tausend Kronen geschädigt.
Davon mündlich. Wenn Ihnen einmal irgendeine Stelle unterkommen sollte,
für die Sie mich geeignet halten, so denken Sie bitte dabei an mich. (Ich bin zu allem bereit, bloß nicht zum Geschäftemachen.)
Es wäre doch gut, wenn ich mit irgend einem fixen Gehalt rechnen könnte.
Ich habe es ja momentan noch nicht unbedingt " nötig "; aber es ist ei-
ne unüberwindliche Nervosität meinerseits, dass ich nichts von zu Hause
nehmen und niemandem etwas danken will.- Habe ich Ihnen jetzt genug vor=
gejammert?- Aber ich brauche so notwendig „Menschen“ und hier sehe ich nur
Larven und Lemuren.
Ich sende Ihnen zugleich mit diesem Brief das Manuskript eines
nunmehr beendeten Stückes " Der Graf von Gleichen ". Vieleicht ist das
etwas für Strache. Aber, wenn es Ihnen eine angenehme Stunde bereitet,
ist da auch genug.
Bitte, empfehlen Sie mich der gnädigen Frau bestens. Ich bin stets mit den herzlichsten Grüßen
Ihr dankbarer, ergebener
ERieger
Salzburg, 2. September 1920.
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