Rilke, Rainer Maria: Brief an Felix Braun. München, 30.9.1918
Ainmillerstraße 34 IV
am 30. September 1918
Hier, mein lieber Herr Braun, das Zu=
gesagte und gern Gegebne.
Der gestrige Nachmittag hat mich (wie schon früher
jene Abendstunde) bedauern lassen, dass wir
uns in den Monaten Ihres Hierseins nicht mehr
Gemeinsamkeit geschaffen haben. Indem ich mir -
meiner Stumpfheit, Schwere, Unfähigkeit - die Schuld
an diesem Versäumnis ganz zuschreiben muss,
liegt mir der Wunsch nach künftigen guten Be=
gegnungen umso näher und herzlicher.
Und so von Mal zu Mal.
Ihr
R.M.Rilke
/ mit zwei Petrarca=Sonetten.