Rilke, Rainer Maria: Brief an Franz Karl Ginzkey. München, 16.11.1916
sagte, da er die Scheu vor dem Kreuze beim Teufel
wahrnahm. Wie unerschöpflich sind doch gerade die
Heiligen=Legenden in solchen genauen, in der aus=
drucksvollsten Verkürzung gegebenen Zügen.
Es würde mich freuen, wenn mein Christofferus,
in seiner Art raccourci verständlich und verwend=
bar gefunden würde.
An Wien denke ich nicht eben viel, denn ich
muss ja fortwährend, über die Unterbrechungen
hinüber, die es mir bereitet hat, an Arbeit und
Leben anknüpfen -, so weit aber geht mein Ver=
gessenwollen nicht, dass ich nicht manchmal derer
gedächte, die mir die verwirrende Ausschaltung er=
leichtert und mich dem Eigenen brauchbarer erhalten
haben. Sie wissen, lieber Herr Ginzkey, wie groß
Ihr Antheil an diesem Schutze war. Aber auch über
die Erinnerung an unsere Gespräche hab ich mich Ihnen
öfter näher gerückt, sooft hier Dokumente jenes