Sklarek, Elisabet: Brief an Elise und Helene Richter. Berlin, 22.12.1915
Wie merkwürdig, daß wir von ihm durch Else ein ganz
anderes Bild haben. Vielleicht muß man ihn sehr gut
kennen, um hinter seine guten Seiten zu kommen. -
Nun zum Schluß aber noch etwas wirklich Erfreuliches.
Einen Sonnenschein haben wir jetzt doch hier u. das ist
Lolla Friedlaender. Sie studiert jetzt hier, u. ich kann Ihnen
garnicht sagen, was das Kind für uns alle ist; selbst
Mutter sagt, es sei ihr, wie wenn die Sonne scheint, wenn
das Mädelchen so auf 5 Min. zu ihr heraufkommt.
Sie kommt alle paar Tage herangesprungen u. wenn's
auch nur auf ½ Stündchen ist, erzählt ein bischen,
setzt sich ans Klavier u. spielt ein bischen, streichelt
Onkel Peter und er muß mit ihr 4 händig spielen oder
sonst tun, was sie will. Sie hat noch ganz u. gar den
kindlichen Zauber, den sie früher hatte; dabei ungewöhn=
lich gescheidt; man vergißt ganz, daß man ein 19 jähr. Mädchen
vor sich hat, wenn man mit ihr über ernste Dinge spricht.
Es ist für uns ein Glück, sie hier zu haben. -
Leben Sie recht recht wohl! Mutter läßt Sie auch vielmals
herzlich grüßen. In alter Liebe und Freundschaft
Ihre Elisabet
Herzliche Weihnachtsgrüsse, Ihr
Peter.