Sklarek, Elisabet: Brief an Elise und Helene Richter. Berlin, 13.2.1916
B. d. 13. II. 16.
Meine lieben Freundinnen, eben kommt Ihr lieber Brief, liebe
Helene, der übrigens trotz 2 maliger Überprüfung (in Wien und
Berlin), er scheint sehr verdächtig ausgesehen zu haben! merk=
würdig schnell hergekommen ist. Vielen Dank! Aber auch ohne
diese Mahnung hätte ich heute geschrieben. Ich hatte mir schon
lang vorgenommen, den heutigen Sonntagmorgen dafür zu
benutzen. Das ist jetzt so ungefähr die einzige etwas ruhige
Zeit für mich. Die übrigen Vormittage bin ich entweder im
Nat. Frauendienst oder, wenn ich zu hause bin, fühle ich mich
immer verpflichtet, mich Mutter zu widmen oder jedenfalls für
sie bereit zu sein. Sonntags essen wir zusammen u. sind
auch abends zusammen (entweder bei Mutter od. bei uns)
u. da fühle ich mich freier u. ungebundener am Vormittag.
Nachmittag u. Abend gehöre ich mir gewöhnlich noch weniger;
da komme ich mir (wenn Peter zu hause ist) so ein bischen
wie eine Mutter mit 2 kranken Kindern vor, die aber nicht
im selben Zimmer sind. Sie kennen ja Peter besser wie irgend
[am oberen Rand, über Kopf:]
der Bahnhof. Ich war entsetzt, zumal ich weiß, daß man nachts in K. keine Wägen am Bahnhof
hat. Eva lachte nur; „da gehe ich halt zu Fuß.″ - Aber es ist wohl besser, daß Eltern
so sind. Wir taugten nicht dazu. Alles, alles Liebe Ihnen
beiden von uns beiden. Ihre Elisabet.