Sklarek, Elisabet: Brief an Elise und Helene Richter. Berlin, 31.12.1929
aber im Ganzen hat es uns doch enttäuscht und wir werden es
aus unserer Bibliothek ausquartieren.
Das Fest haben wir wirklich mit unsern"Wahlkindern und enkeln"
wie Sie, liebe Helene so nett schrieben, sehr fröhlich verlebt
Wir hatten einen Teil von ihnen zum l. Feiertag zu Mittag da.
waren auch einen Nachmittag bei Lolla, die sich eine winzige
Siedlungswohnung ganz wunderhübsch hergerichtet haben. Eigent-
lich ist 's nur eine Küche und 2 Zimmerchen. Aber die Küche
ist ein Esszimmer geworden und die beiden Zimmer so geschickt
und schön mit selbstentworfenen Möbeln eingerichtet, dass sie
jeder ein schönes Arbeitszimmer und soviel Raum haben, dass so
gar Lollas Flügel guten Platz darin hat. Alles ist natürlich
auf Farbe eingestellt , selbstverständlich kein Bild an der
Wand, und trotzdem ist es schön und wohnlich.Unter den heuti-
gen Verhältnissen , wo man keine Bedienung hat, ist das viel-
leicht doch das einzig mögliche, sich so einzurichten. Eine
Weihnachtsfreude war es mir auch, Frau Mincoff- Marriage nach
langen Jahren wiederzusehen. Ich glaube, Sie kennen sie auch:
sie hat eine schöne deutsche Volksliedersammlung herausgegeben
als sie noch unverheiratet war, die sie, die Engländerin damal[s]
selbst unter den pfälzer Bauern gesammelt hatte. Dann heiratet
sie einen Bulgaren, einen Diplomaten, hat im Haag, wo ihr Mann
Gesandter war während des Krieges niederländische Volkslieder