Sklarek, Elisabet: Brief an Elise und Helene Richter. Berlin, 31.12.1929
herausgegebn und später in Bulgarien auch Volkslieder gesammelt,
sie ins Englische übersetzt. Ihr Mann ist im Frühjahr gestorben
und sie ist jetzt im Volksliederarchiv bei John Meier angestellt
Der Sohn studiert seit Herbst hier in Berlin Linguistik, vorläu-
fig hauptsächlich englisch (er ist in England zur Schule gegang7
bei Brandl, ein stiller, netter Junge, dessen Hauptinteresse auf
Sprachforschung gerichtet iat. Schade, dass es hauptsächlich die
nordischen Sprachen sind, die ihn anziehen, sonst müsste er zu
Ihnen kommen, liebe Elise. Ist die Universität bei Ihnen auch
so überfüllt? Hier ist es ganz schrecklich, übrigens nicht nur
in Berlin sond rn in ganz Deutschland. Das geographische Kolleg
muss in 2 Auditorien gelesen werden. In dem einen spricht der
Professor, im andern ist ein Lautsprecher aufgestellt und ein
Assistent demonstriert.Dibelius liest in der Aula etcetc.Bei den
Medizinern ist es ganz schlimm, etwa 1700 Studenten in der Ana-
tomie! Bei Peter wirkt sich das auch aus. Im Winter sind sonst
nur wenige Studenten im chemischen Kurs, da die Vorkliniker , au[s]
denen sich ja das Material für den Studentenkurs zusammensetzt,
im Winter auf die Anatomie müssen. Aber diesmal sind es gegen 60
Studenten, für Peter insofern nicht angenehme, da er seinen eine[n]
Assistenten für den Winter beurlaubt hat, der langjährige erste
Assistent jetzt abgegangen ist und die 3. Stelle ( die beiden
andern sind heraufgerückt) noch nicht besetzt ist.So hat er in