Rosegger, Peter: Brief an Wilhelm Kienzl. Graz, 17.11.1915
Ich bin jetzt oft mehr dort als da -
wenn gerade ein bischen Fieber - u.
das ist nicht so unangenehm. In dem
Grad, als mein Gedächtnis untergeht,
steigert sich die Phantasie, es ist kein
Schauen mehr, es ist ein Erleben.
Nur gut, daß nichts mehr aufs
Papier kommt - das einzige Eigen=
tum, das ich nicht mehr mit Andern
zu teilen brauche.
Hast Du Decseys neuen Roman xx)
gelesen? Da tut er mir zu viel
Ehre an, vielleicht sogar auf
Kosten des Künstlerischen seiner
„Theaterfritzl“. Es ist nur
schade, daß man im Alter weniger
Wert auf Ehre legt, als auf
Güte. Nun, man macht für
beides gerne seine Buckerl.
Jeder von uns hat seine Vorder=
und Hinterseite - u. gut
ists.