Rosegger, Peter: Brief an Wilhelm Kienzl. Graz, 5.2.1917
auch, daß der Komponist während
der Schöpfung der ergreifenden Musik
geschmunzelt hat. Und das verstimmt
mich, das ist zu viel Fopphausen. Jetzt
glaube ich keiner ernsten Musik
mehr, weil ich weiß, daß man damit
auch gefoppt werden kann.
Der sentimentale Schluß wäre
leicht zu vermeiden gewesen, wenn
der Holzer, nachdem er seine
„Freunde” glatt u. scharf zur Tür
hinausgeworfen hat, mit philo=
sophischem Galgenhumor sich an
das (in diesem Falle anwesende)
Liebespar gewendet hätte mit
den Worten: „Jetzt erst weiß ich,
wer meine Erben sind!” -
Alles das ist mir s. z. als Du
mir den Text vorgelesen, nicht auf=
gefallen, ich war damals durch
Krankheit abgemüdet, sonst hätte
ich Dir natürlich meine Meinung
gleich gesagt. Es gibt ja nichts Über=
flüssigeres, als eine Kritik, wenn
das Werk einmal fertig ist.