Rosegger, Peter: Brief an Wilhelm Kienzl. Graz, 5.2.1917
Aber ich mag nicht zu jenen Schmeichlern
gehören, denen Du schließlich zur Tür
hinaus den Lehnstuhl nachgeworfen
hast mit Recht. Ich fühle mich im „Testament”
zwar ein wenig enterbt, habe aber
noch einen grossen Schatz am „Evan-
gelimann” u. „Don Quixote”, der
mich nicht verarmen läßt.
Hoch lebe der Wilhelm Kienzl=Fond! -
Wenn man nur für die Kunst mehr
übrig haben könnte jetzt in dieser
unerhörten Zeit. Den Athem hält
man ein in Spannung, was nun
kommen wird. Am Berglein hinter
meiner Waldschule wird eine kleine Kapelle
gebaut zum Troste der Familien
in Alpl, deren Söhne im Kriege
gefallen sind. Schon eine ganze
Schar von Einheriern, aus dem
kleinen Alpl allein! Brandstetter
wird das Altarbild schnitzen. Eine
Vereinigung der Kunst mit der Not
des Lebens. Wir haben kaum eine
andere Stärkung mehr, als die
der Ideale, und die wird uns auch
retten.
Sei gegrüßt!
Dein
Peter Rosegger