Salten, Felix: Billett an Ernst Decsey. o.O., 25.10.1914
Nun darf ich ja sagen, dass mir - auch für das alte Österreich - Ihre Feder mächtiger und
wertvoller erscheint, als Ihr zum Schutz der Eisenbahnbrücke bei Nabresina gezückter
Säbel. Wenn Sie es richtig anfassen, müsste es Ihnen irgendwie möglich werden, irgendwohin vor-
zudringen. Am nächsten läge da wol (wieder meine Privatmeinung, mit der ich bei Herrn B.
nicht herausrückte, um weder den Anschein einer zwischen Ihnen und mir noch garnicht ge-
wesenen Abrede noch etwa seine Erwartungen zu wecken) am nächsten, sich - statt der abgegrasten
galizischen Gebiete - entweder nach Bosnien oder ins Küstenland zu wenden, Triest u. s. w. Gegenden,
aus denen man garnichts hört, noch liest. Können Sie ein Stückchen serbischer Kämpfe sehen,
dann hätten Sie was Aparts für sich. Gelingt es Ihnen freilich, doch zu den Schauplätzen der grossen
Operationen im Norden zu gelangen, dann ist trotz der ʺAbgegrastheitʺ das Beste erreicht. Und ich
bin sicher, dass Sie anderes darüber zu sagen hätten, als die Herren, die uns bis jetzt mit ihren Schil-
derungen überflutet haben. Überlegen Sie alles genau. Und lassen Sie mich jedenfalls wissen, wenn
Sie von Nabresina weggehen. (Nach Wien .. ? ich würde es, und seis nur für paar Tage aus Egoismus
am meisten wünschen.) Von Herzen danke ich Ihnen für Ihren Brief u. für alles, was Sie mir über meine
Potsdam-Stücke schreiben. Wenn Sie wüßten, wie wol mir jedes Wort getan hat! Danke!!! Ich bin
begierig, was Sie zum zweiten Teil sagen werden. Leben Sie wol! Das ist kein Brief - ich
[am linken Rand:] schreibe Ihnen bald! Viele herzliche Grüße, auch von meiner Frau.
Aufrichtig Ihr Salten