Prag XVI/586, 26.11.26 [mit fremder Schrift:] erh. 29.11. früh
Sehr geehrter Herr Studienrat!
Besten Dank für Ihren freundlichen Brief.
Obwol alles, was meinem Gatten in dieser Sache
geschehen ist, mich so kränkt, dass mir das, was viel-
leicht noch gut gehen kann, keinen Trost bedeutet,
so werde ich doch, in seinem Sinn, und auch weil er
[es] gewiss als Pflicht gegen seine Mitarbeiter ansehen
würde, alles tun, was in meinen Kräften steht. -
Ich habe nun folgenden Plan, den ich gestern auch
Dr. Stefansky mitgeteilt habe und der sich mit sei-
nen Gedanken begegnete. Ich schicke voraus, dass
ich von Wien gar nichts höre; Hofrat Glossy schreibt
nicht gern, ist bejahrt und hat eine schwerkranke
Frau; nichtsdestoweniger ist seine Treue sicher,
wie die von Dr. Kaderschafka, der aber in seinen
Pflichtenkreis eingeengt ist und als junger Mann
in Wien wol nicht genug Verbindungen hat.
Es müsste, da die Sache doch in erster Linie (alle
schwebenden Rechtsfragen zwischen Stadt und
Verlag kommen erst in zweiter) auf eine genü-
gende Subventionierung der Ausgabe durch
die Gemeinde gestellt ist, Jemand von Ansehen
persönlich zum Bürgermeister sprechen, womög-
lich im Namen einer Anzahl von Gelehrten.
Diese Persönlichkeit würde am Besten Hofrat
Redlich, der Präsident der Akademie der Wissen-
schaften, sein; er stand gut mit meinem Mann,
hat, wie Sie wissen, selbst über Grillparzer gear-
beitet. Ich würde ihm nun selbst schreiben,
aber vielleicht ist es besser, wenn Jemand,
Sehr geehrter Herr Studienrat!
Besten Dank für Ihren freundlichen Brief.
Obwol alles, was meinem Gatten in dieser Sache
geschehen ist, mich so kränkt, dass mir das, was viel-
leicht noch gut gehen kann, keinen Trost bedeutet,
so werde ich doch, in seinem Sinn, und auch weil er
[es] gewiss als Pflicht gegen seine Mitarbeiter ansehen
würde, alles tun, was in meinen Kräften steht. -
Ich habe nun folgenden Plan, den ich gestern auch
Dr. Stefansky mitgeteilt habe und der sich mit sei-
nen Gedanken begegnete. Ich schicke voraus, dass
ich von Wien gar nichts höre; Hofrat Glossy schreibt
nicht gern, ist bejahrt und hat eine schwerkranke
Frau; nichtsdestoweniger ist seine Treue sicher,
wie die von Dr. Kaderschafka, der aber in seinen
Pflichtenkreis eingeengt ist und als junger Mann
in Wien wol nicht genug Verbindungen hat.
Es müsste, da die Sache doch in erster Linie (alle
schwebenden Rechtsfragen zwischen Stadt und
Verlag kommen erst in zweiter) auf eine genü-
gende Subventionierung der Ausgabe durch
die Gemeinde gestellt ist, Jemand von Ansehen
persönlich zum Bürgermeister sprechen, womög-
lich im Namen einer Anzahl von Gelehrten.
Diese Persönlichkeit würde am Besten Hofrat
Redlich, der Präsident der Akademie der Wissen-
schaften, sein; er stand gut mit meinem Mann,
hat, wie Sie wissen, selbst über Grillparzer gear-
beitet. Ich würde ihm nun selbst schreiben,
aber vielleicht ist es besser, wenn Jemand,