schreiben. Das Ende des Krieges hat in mir eine trostlose Beschämung
zurückgelassen, von der ich mich nicht mer erholen kann. Nicht
weil wir unterlegen sind - bei der Überzal unserer Feinde,
der Entsetzlichkeit und langen Dauer der Kriegsqualen, sowie - was
insbesondere uns Deutsch=Österreicher angeht, - bei unseren österreichi=
schen Nationalitätenverhältnissen, müsste man sich mit der Nieder=
lage abfinden. Mir ist auch nicht leid um die habsburgische Monarchie, Sie
wissen es ja. Manches vollzieht sich sogar in der Richtung, wie wir es als er=
strebenswert erachteten. Auch die Deutschen im Reich werden one den ge=
wissen jungen Hohenzollern=Koller auskommen. Allein: durch die
schmähliche Fanenflucht, durch unsere Selbsterniedrigung und Selbstbe=
schimpfung haben wir uns selber in eine Hilflosigkeit begeben, die
den Sieg unserer Feinde in's Ungemessene vergrößert. Man muss
nur hören, wie sich die Leute gegenseitig in Hass u. Groll hineinreden.
Als ob wir allein infolge unserer beutelüsternen Fürung die Ursache
des Krieges gewesen wären; als ob wir gar nie von Feinden bedroht ge=
wesen wären; als ob es keine Serben= u. Ruthenen=Prozesse mit ihren
Enthüllungen, keine Einkreisungspolitik der Westmächte, keine „Probe=
mobilisierungen” in Russland, keinen Tronfolgermord u. s. w. gegeben
hätte. Ein Volk, in das sich die lügenhafte Entente=Propaganda so tief
einfressen konnte, wird sich nur schwer erheben können. Das ist
nicht bewusster u. selbstgewollter Fortschritt zur Demokratie, sondern
das durch Not, Verbitterung, Hass u. Ratlosigkeit hervorgerufene
Bestreben, alle Schranken u. Formen nach russischem Beispiele zu
durchbrechen, um aus unerträglich gewordenen Lebensverhältnissen
zurückgelassen, von der ich mich nicht mer erholen kann. Nicht
weil wir unterlegen sind - bei der Überzal unserer Feinde,
der Entsetzlichkeit und langen Dauer der Kriegsqualen, sowie - was
insbesondere uns Deutsch=Österreicher angeht, - bei unseren österreichi=
schen Nationalitätenverhältnissen, müsste man sich mit der Nieder=
lage abfinden. Mir ist auch nicht leid um die habsburgische Monarchie, Sie
wissen es ja. Manches vollzieht sich sogar in der Richtung, wie wir es als er=
strebenswert erachteten. Auch die Deutschen im Reich werden one den ge=
wissen jungen Hohenzollern=Koller auskommen. Allein: durch die
schmähliche Fanenflucht, durch unsere Selbsterniedrigung und Selbstbe=
schimpfung haben wir uns selber in eine Hilflosigkeit begeben, die
den Sieg unserer Feinde in's Ungemessene vergrößert. Man muss
nur hören, wie sich die Leute gegenseitig in Hass u. Groll hineinreden.
Als ob wir allein infolge unserer beutelüsternen Fürung die Ursache
des Krieges gewesen wären; als ob wir gar nie von Feinden bedroht ge=
wesen wären; als ob es keine Serben= u. Ruthenen=Prozesse mit ihren
Enthüllungen, keine Einkreisungspolitik der Westmächte, keine „Probe=
mobilisierungen” in Russland, keinen Tronfolgermord u. s. w. gegeben
hätte. Ein Volk, in das sich die lügenhafte Entente=Propaganda so tief
einfressen konnte, wird sich nur schwer erheben können. Das ist
nicht bewusster u. selbstgewollter Fortschritt zur Demokratie, sondern
das durch Not, Verbitterung, Hass u. Ratlosigkeit hervorgerufene
Bestreben, alle Schranken u. Formen nach russischem Beispiele zu
durchbrechen, um aus unerträglich gewordenen Lebensverhältnissen