Schmidt-Köhne, Maria: Brief an Wilhelm Kienzl. Berlin, 15.11.1919
ruhiger empfinden lernen u.
ein milder Friede wird in Ihre
Seele einziehn, wenn Sie den bei-
den großen Tröstern nicht weh-
ren: Natur u. Kunst. Für un-
sere Art Menschentum bleibt
es doch das Höchste, das ewig
Neue u. Belebende. Ich kann die
Menschen nicht verstehn, die sich
nach einem Todesfall von aller
Musik fernhalten, als wäre sie
Teufelswerk u. eine Beleidigung
für den schmerzlich Vermißten.
Selbstredend spreche ich nur von
edler Musik, u. in die sich zu
vertiefen werden Sie - wie ich
Sie zu kennen glaube - keinen
Augenblick zögern. Wer brauch-
[seitlich links, Fortsetzung von der Randnotiz auf S.3:]
die von den Ärzten als direct ungewöhnlich geprie-
sen wurde, wird mir bald wieder helfen. Gottlob hat
meine Stimme gar nicht gelitten. - Besonders viel wer-
[Fortsetzung auf S. 1, seitlich links]