Tietze, Hans: Brief an Joseph Floch. Wien, 5.4.1934
gegenwärtigem Ausgenblick nichts für die Pariser Interessantes bieten könn-
te. Daß Sie und andere in Paris lebende Oesterreicher, unter der Patronanz
des Staates Oe. auftretend, dort einen Erfolg und Vorteil haben könnten, gebe
ich zu; aber brauchen Sie dazu einen solchen Apparat? Dieser kann entweder
aus der üblichen Waldmüllerei bis Klimt inkl. bestehen, was ich mir auch noch
nicht sensationell vorstelle oder aber aus Werken lebender Künstler, die ent-
weder ganz offiziell zustandegebracht werden und dann entsetzlich sind, oder
aber von einem verantwortlichen Fachmann ausgewählt werden, der, wie die Ver-
hältnisse heute sind, dem Druck nicht entgehen wird, allerhand provinzielle
und wienerische Mediokritäten mitzunehmen. Aber selbst wenn er tun könnte,
was er wollte, was hätte er denn zu zeigen?! O.K. befindet sich augenblick-
lich in einer solchen Krise, aus der ein Verfall oder eine Altersreife wer-
den kann, daß seine Arbeiten wohl für Kenner seiner Kunst interessant, aber
für Außenstehende kaum sehr wesentlich sind. Böckl, Wiegele - abgesehen da-
von wie Sie persönlich zur Kunst dieser Maler stehen - glauben Sie wirklich,