Walden, Harry: Brief an Max von Millenkovich-Morold. Wien, 18.4.1918
Wien, den I8. April I8.
XIX Sieveringerstrasse 88.
Sehr geehrter Herr Hofrat!
Im Anschluss an unsere gestrige Unterredung
möchte ich folgendes sagen:
Ich bin nicht dafür in einer Rolle, wie es der Tasso ist, zu alternieren. Wenn
der jetzige Darsteller Ihren Ansprüchen genügt, so bin ich nicht der Mann,
ihm diese Rolle streitig zu machen. Genügt er diesen Ansprüchen nicht, dann
bitte übertragen Sie mir die Rolle, aber mir ganz allein, sonst nicht. Da ich
annehmen muss, dass Sie auf diesen meinen Wunsch nicht eingehen werden, so
möchte ich Ihnen zur Ueberlegung geben, wie es mit dem Fiesko und dem König
in der Jüdin bestellt ist. Besonders vom Fiesko war ja mein Beginn Ihrer Di-
rektionstätigkeit in Bezug auf meine Person sehr viel die Rede. Und ich glau-
be bestimmt, dass ich in dieser Rolle wohl der stärkere Mann sein dürfte.
Um noch einmal auf das Alternieren zurückzukommen.
Wenn Sie heute einem Darsteller sagen, er müsse eine Rolle wie den Tasso
zur Hälfte abgeben, so ist es nur zu natürlich, wenn z.B. der Hamlet aufs
Repertoir kommt, dass derselbe Darsteller dann zu Ihnen kommen und von Ihnen
auch den Hamlet zum mindesten auf dem Wege des Alternierens verlangen wird.
Und diese Rolle - das möchte ich bei dieser Gelegenheit ganz ausdrücklich
und höchst eindringlich betonen - ist nach Ihren eigenen Worten, wie Sie es
mir vielleicht 5 oder 6 mal versichert haben, mein Besitz. Sie war es ja