Warnecke, Hans: Brief an Ernst Krenek. München, 14.1.1930
THEATER AM GÄRTNERPLATZ
DR. HANS WARNECKE G.M.B.H.
MÜNCHEN
FERNSPRECHER: NR. 24921
TELEGRAMM=ADRESSE:
GÄRTNERTHEATER MÜNCHEN
MÜNCHEN, den 14. Januar 1930.
Hochverehrter Herr Křenek!
Die besonderen Schicksale „Jonny's″ in München
darf ich als Ihnen, verehrter Meister, bekannt voraussetzen.
Die ganz anders verlaufenen Fälle der „Dreigroschenoper″
u. der „Verbrecher″, für die sich dieselben Leute eingesetzt
haben, die seinerzeit den „Jonny″ niederknüppelten, ver=
anlassen u. setzen mich in die angenehme Lage, die
seinerzeit durch einen engherzigen musikalischen Klüngel
irregeführte öffentliche Meinung in einem sachlichen
Artikel auf die große Inkonsequenz u. das reale
Unrecht der Drahtzieher hinzuweisen.
Das blödsinnige Schlagwort von der „Negerver-
herrlichung″ hätte ich bei dieser Gelegenheit auch gerne
ein wenig angerempelt u. wäre Ihnen, sehr verehrter
Herr Křenek, für eine authentische Äusserung zu diesem
Punkte ganz besonders dankbar. Ich möchte Ihre
kostbare Zeit nicht über Gebür in Anspruch nehmen -
es würde für meine Zwecke genügen, wenn Sie
mir in ein paar Zeilen hiezu Stellung nehmen und