Webern, Anton: Brief an Ernst Krenek. o.O., 20.9.1932
20. Sept. 32.
Mödling - Enzersdorf
Im Auholz 8
Telef. habe ich noch keines.
Mein lieber Herr Křenek,
ich habe mich ungemein über ihren lieben
Brief gefreut u. danke Ihnen herzlich dafür.
Mißverstehen Sie es nur, bitte, nicht, dass ich
erst so spät antworte: aber als Ihr Brief
kam, war ich gerade mitten im Übersiedlungs-
Rummel. Den Haushalt einer so großen
Familie abtragen u. wieder aufbaun, das
gibt schon Arbeit. Und ich bin nun schon ein-
mal so: ich muss meine Nase überall
dabei haben. Aber jetzt ist schon so ziemlich Alles
wieder in Gang gebracht u. wir sind froh,
wieder heraußen zu sein - ganz im
Grünen u. näher bei den Bergen. Ich hoffe,
Sie können bald nachschaun, wie wir hier
hausen. Ja, das wäre schön, wenn wir öfter
zusammen kommen könnten.
Ich freue mich außerordentlich darauf, Ihr
neues Theaterwerk kennen zu lernen.
Sie hatten also wieder gute Arbeitszeit.
Es macht mich glücklich, das zu denken.
Mir ist sie leider schon recht lange nicht
beschieden gewesen. Ich muß ja noch immer
so viel Andres thun, um den Lebensunter-
halt bestreiten zu können. Wohl habe ich