Webern, Anton: Brief an Ernst Krenek. o.O., 20.9.1932
mich jetzt dazu gesetzt, doch stehn mir schon wieder
eine ganze Reihe von Konzerten bevor.
Und Sie wissen ja, wie ich solche Aufgaben
nehme. U. a. muß ich am 26. XI. die V. Mahler
dirigieren: es braucht viel Arbeit, um so ein
Werk so ganz und gar in sich aufzunehmen
- anders kann ich nicht dirigieren - zu mal, wenn
die Gedanken immer zur eigenen Produktion
abschweifen wollen. Da habe ich Ihnen jetzt so in
Kürze angedeutet, wo noch immer das Problem
meines Da-Seins steckt. Und im Herbst fällt
es immer besonders schwer auf mich - weil ja der Sommer
doch immer mehr Einem gehört. Der Sommer! Je älter
ich werde, desto schwerer fällt mir der Abschied von
ihm. Lieben Sie auch die Natur in den Bergen?
Vielleicht gehn wir einmal zusammen wo hinauf!
Ich verstehe restlos, was Sie mir über Ihre letzten
Jahre, im Zusammenhang mit Ihrem Aufenthalt
in Wien geschrieben haben.
Ich möchte dazu von mir aus sagen: so miserabl[ig]
Einem auch die Landsleute behandeln - wie ergeht's
uns doch hier u. ist es immer ergangen - ich möchte
nirgends anders ständig leben als hier - in
Österreich. Ich freue mich darauf, mich mit Ihnen
über dieses Thema einmal ausführlicher zu
unterhalten. - Ich habe mich recht erholt im
Sommer, aber ich fühle, dass die Haut, die über die
Schäden gewachsen ist, noch recht, recht zart ist u. dass
ich sehr auf der Hut werde bleiben müssen.
Wir grüßen Sie u. Ihre liebe Frau herzlichst u.
vielmals. Verständigen Sie mich gleich, bitte, wenn
Sie zurück sind. Ihr Webern