Wildgans, Anton: Brief an Gustav Huber. Mönichkirchen, 13.5.1927
Sollte er dies nicht tun, so würde ich ihm vorschlagen, ein Feststellungs=
urteil gemeinsam herbeizuführen.
Ich dürfte am 21. o. 22. nach Mödling zurückkehren
und werde dann trachten, in meinen Papieren die Abrechnungen
von 1915 - 1922 aufzufinden. Leider fürchte ich, gerade die
wichtigsten seinerzeit aus anderen Gründen vernichtet zu haben.
Aber vielleicht irre ich mich.
Da ich ab 21. Mai - 1. August in Mödling verbleibe,
hoffe ich zuversichtlich, Dich dann öfters bei mir zu sehen. Wie
gemütlich wäre es z. B. wenn Du manchmal je öfter je lieber,
abends nach Deinem Bureau zu mir heraus kämest und übernachtest.
Ich werde ab 15. Juni ganz allein in meinem Hause sein,
nur von irgend einer Person bedient. Aber auch schon vor
dem 15. Juni würde immer auch für Dich ein Bett und
Zimmer zur Verfügung stehen, da ja Lilly mit Gottfried schon
am 1. Juni nach Mönichk. geht.
Also überleg Dir das, lieber Freund, und mach von
meiner herzlich u. aufrichtig gemeinten Einladung reichlichsten
Gebrauch. Die Nächte bei offenem Fenster in meinem herrlichen
Garten würden doch gewiss erquickender sein als in der
Hauslabgasse u. auf Grinzing bist Du vielleicht unter den
gegenwärtigen Umständen nicht allzusehr erpicht.
Herzlichste Grüße Deines alten
dankschuldigen
Toni
Mönichk. am 13. Mai 1927.