Zweig, Stefan: Brief an Raoul Auernheimer. o.O., 1916
Lieber Freund, Dank für Ihren Gruß aus
der Ferne! Ich muss mein Herz zusammen-
halten, dass es nicht neidisch wird, wenn
ich an Wiesen, Felder, Freiheit und ähnliche
Kostbarkeiten denke, die nun schon fast
zwei Jahre meinem eigenen Leben entwen-
det sind. Einzige Erlösung ist mir Arbeit,
die ich unwillig tue in der Angst, jede
Stunde von ihr weggerufen zu werden,
ich habe innerlich immer die Besorgnis
dass etwas von der Ungeduld und Un-
sicherheit meines äussern Lebens in sie
eindringen könnte und sie sprunghaft,
fahrig, nervös machen wie ichs selber
bin, statt straff und stark, wie ich sie
wollte. Manchmal habe ich Momente