Zweig, Stefan: Brief an Raoul Auernheimer. o.O., 15.8.1918
voziert, die Hälfte meiner Aufsätze werden übersetzt, discutiert. Auch
Jeremias hat grossen Erfolg - achtes Tausend im Buchhandel, eine
französische und holländische Ausgabe in Vorbereitung. Aber all dies kann
meine Heimatlosigkeit, meine Ungewissheit nicht halten: ich hoffte sosehr, schon bald
in Salzburg mich installieren zu können und jetzt ist wieder alles endlos fern.
Ihre Gegenwart hier wäre sehr wünschenswert und ich bitte Sie, Sich
darauf zu verlassen, dass alles geschieht. Das Honorar wird die Reisespesen
kaum decken, falls Sie nicht das Ausw. Amt oder Kriegspressequartier subventio-
niert, aber Ihre Nerven werden der Entspannung dankbar sein. Es sind so viel
Osterreicher hier auf Besuch gewesen, Hugo Heller, Hofrätin Zuckerkandl,
Paul Stefan, ect. ect, dass man ständig in Contact bleibt, aber Man-
ches und gerade das Wesentliche verlangt eigene Gegenwart: so hoffe
ich Anfangs October Ihnen die Hand schütteln und alles Genaue sagen
zu können.
Herzlichst Ihrer Frau und Ihnen Ihr getreuer
StefanZweig