Salzburg, am 31. Dezember 1921.
Lieber Freund!
Fast freue ich mich, dass Sie nun auch Ihr Dilemma haben
und wir nun besser eine Einheitsfront bilden können. Selbstver-
ständlich ist jedes isolierte Vorgehen von uns für den Einzelnen
peinlich - ich bin über Bahr nicht recht informiert, er hat meines
Wissens zugesagt mit dem heimlichen Gedanken auszuspringen, wenn
er isoliert bleibt, während ich von vornherein den Ihnen bekannten
Standpunkt vertrat. Ich glaube nun, dass ich persönlich keinesfalls
fahren werde, ich fühle mich zu unsicher all den peinlichen Mög-
lichkeiten die ich da voraussehe und die sogar aus uns Offiziere
der Akademie über Nacht machen könnte.Meine Stellung ist noch be-
deutend schwieriger als die Ihre, weil ich an meine Pariser Freun-
de verpflichtet bin die als Internationale in der Opposition ste-
hen und eine Pariser Reise mit innern Unsicherheiten und schlech-
tem Gewissen ist mir keine Messe wert. Für Sie ist die Situation
wesentlich leichter, Sie stehen im Geiste Moliere näher und ich
würde Ihnen nur raten zurückzustehen wenn Sie nicht Hofmannsthal
Schnitzler und Bahr an der Seite haben. Sind wir Oesterreicher
dort überhaupt schon zweite Garnitur so muss diese zweite wenig-
sten erste sein, absolut repräsentativ und untadelig: Hofmannsthal
und Schnitzler scheint mir da vollkommen unentbehrlich.
Sie werden lieber Freund, in diesem meinem Entschluss
schon eine gewisse Sicherheit des Nichtreisens gegenüber früheren
Lieber Freund!
Fast freue ich mich, dass Sie nun auch Ihr Dilemma haben
und wir nun besser eine Einheitsfront bilden können. Selbstver-
ständlich ist jedes isolierte Vorgehen von uns für den Einzelnen
peinlich - ich bin über Bahr nicht recht informiert, er hat meines
Wissens zugesagt mit dem heimlichen Gedanken auszuspringen, wenn
er isoliert bleibt, während ich von vornherein den Ihnen bekannten
Standpunkt vertrat. Ich glaube nun, dass ich persönlich keinesfalls
fahren werde, ich fühle mich zu unsicher all den peinlichen Mög-
lichkeiten die ich da voraussehe und die sogar aus uns Offiziere
der Akademie über Nacht machen könnte.Meine Stellung ist noch be-
deutend schwieriger als die Ihre, weil ich an meine Pariser Freun-
de verpflichtet bin die als Internationale in der Opposition ste-
hen und eine Pariser Reise mit innern Unsicherheiten und schlech-
tem Gewissen ist mir keine Messe wert. Für Sie ist die Situation
wesentlich leichter, Sie stehen im Geiste Moliere näher und ich
würde Ihnen nur raten zurückzustehen wenn Sie nicht Hofmannsthal
Schnitzler und Bahr an der Seite haben. Sind wir Oesterreicher
dort überhaupt schon zweite Garnitur so muss diese zweite wenig-
sten erste sein, absolut repräsentativ und untadelig: Hofmannsthal
und Schnitzler scheint mir da vollkommen unentbehrlich.
Sie werden lieber Freund, in diesem meinem Entschluss
schon eine gewisse Sicherheit des Nichtreisens gegenüber früheren