Zweig, Stefan: Brief an Raoul Auernheimer. Salzburg, 31.12.1921
Zweifeln finden, aber es ist ja auch schon reichlich spät geworden
ohne dass es mir gelungen wäre, genaueres auszukundschaften, ob
Deutschland mit einbezogen ist. Die ganze Angelegenheit hat durch
das Zögern und Geheimtun ein so politisch-diplomatisches Gesicht
bekommen, dass sie gar keine rechte künstlerische Ehrung mehr ist
- offen gesagt, ich müsste mich heute zwingen zu demselben, was
noch vor 14 Tagen für mich eine gewisse Lockung war. Darf ich
Ihnen nur einen Rat geben so ist es der, mit Hofmannsthal Füh-
lung zu suchen und mit ihm gemeinsam zu entscheiden. Ich werde in-
zwischen H. Bahr auf den Zahn fühlen und schreibe oder telegrafie-
re Ihnen sofort seine Stellungnahme.
Zur rechten Zeit bringt Ihnen dieser Brief noch meine
Neujahrsgrüsse die Sie auch Ihrer lieben Frau übermitteln wollen.
Was diese Sache betrifft, so wünsche ich Ihnen nur, dass Sie das
einmal Entschiedene dann mit Freude und Neigung tun.
Herzlich getreu Ihr
Stefan Zweig