Hohlbaum, Robert: Brief an Franz von Ginzkey. Tarrenz, 6.9.1931
Tarrenz, 6./9. 31.
Mein lieber Franz!
Das, was ich dem Dichter an seinem Ehrentage zu sagen hatte,
habe ich an verschiedenen Stellen (Eckart, Neue Freie Presse,
Münchner Neuesten, Schlesische Zeitung etc.) zu sagen versucht,
dem Menschen und Freunde möchte ich auf diesem Wege
danken. Es ist nun bald zwanzig Jahre her, daß Du, mein
lieber Tasso, Dich des völlig verlaufenen Literaturhundes an=
nahmst, der ich damals war, und das werde ich Dir nie ver=
gessen. Daß ich Deiner Fürsorge nicht ganz zur Unehre
gewirkt habe, ist mir ein gutes Gefühl, in dem ich
heute Dich grüßen darf, als Menschen und Künstler, die
sich in Dir zur Harmonie verbinden!
Ad multos annos, lieber Franz, und ad multos
operas, daran wir uns Alle erfreuen wollen! Wenn
heute, neben vielen menschlichen Gestalten, auch Ypsilon
und Miaulinde Dir ihren Glückwunsch sagen, so laß' auch
einen getreuen Freund wie mich, ihnen nachtun!
Auch der lieben Stephi, deren Verdienst ich in der
„Presse” kurz hervorheben durfte, gratuliere ich. Unter
uns Auguren dürfen wir's sagen, daß es manchmal
ein schweres Rigorosum bedeutet, einem Künstler
Weggefährtin zu sein. Daß sie es summa cum laude