Berg, Alban: Briefe an Johannes Schüler. Wien ; Berghof, 23.2.1929
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Ich bin glücklich,daß Sie soviel Fehler im Material meiner Oper aus-
gemerzt haben! Ja dieses Material! Wirklich richtig ist nur der Auszug,den man
wohl als fehlerfrei bezeichnen kann.Fürchterlich sind die Fehler in der ge-
druckten Partitur! da -- glaube ich -- ist das gespielte Material noch besser
korrigiert.Jedenfalls Dank auch für diese Mühe!
Und nun auf Wiedersehen,sehr geehrter Herr Musikdirektor,und viele
schöne Grüße von Ihrem sehr ergebenen
Alban Berg
1 Beilage mit Kopie!
2.) Brief vom 17.April 1929.
Mein sehr lieber Herr Schüler,Ihre Absicht,meine drei Orch.Stücke auf-
zuführen,freut mich ungemein.Sie werden ja sicherlich diese schwere Partitur
in der Art einstudieren können,wie die Wozzeck-Partitur.Das ist bei diesen
Stücken,wenn sie --endlich einmal-- überzeugend in Erscheinung treten sollen,
unbedingt nötig.Das ist auch der Grund,warum ich sie so lange Zeit zurückge-
halten habe.In dem gewöhnlichen Konzertbetrieb,wo so eine Programmnummer mit
einer Symphonie,einem Konzert und einer Ouvertüre oder Orchesterliedern etc.ect
--und dies alles mit zwei Proben -- einstudiert werden soll,ist die Aufführung
dieser --wenn auch kurzen,so doch schwierigen Orchesterstücke ein Ding der Un-
möglichkeit,und da tu ich alles,um es zu verhindern! (Wie unlängst die Auff.
des Kammerkonzerts in Dresden).Ihnen aber,mein lieber Herr Schüler,an dem ich
mit der Wozzeckpart.eine so phänomenale Erfahrung gemacht habe,vertraue ich
auch die Orchester-Stücke mit der größten Freude an;ja ich wüßte keinen Kapell-
meister,dem ich sie lieber anvertrauen würde.
Wie so vieles in H.R.Gails biografischer Skizze über mich,ist die Be-
hauptung von einer Neufassung der Orchesterstücke falsch oder zumindestens
übertrieben.Ja ich beabsichtige seit Längerem diese etwas "dick" instrumentier-
te Partitur zu retouchieren,aber das wird die Komposition nicht verändern. Und
nachdem von diesen Drei Stücken bereits einmal die 2 ersten (von Webern im
Berliner Oesterreichischen Musikfest 1921) aufgeführt worden sind,wird man bei
einer jetzt geplanten Neuaufführung höchstens von einer "ersten vollständigen
Aufführung" reden können.
Diese --wenn sie wirklich unter Ihnen in der nächsten Saison stattfindet
--wil ich zum freudigen Anlaß nehmen,jetzt gleich mit jenen längst geplanten
Retouchen zu beginnen.Der Verlag wird dann ein anständiges Material herstellen,
nachdem das bisherige,das ich szt.selbst geschrieben,pardon:geschmiert habe,
ganz unbrauchbar ist.
Und dann --das verspreche ich Ihnen schon heute -- komme ich zu den
letzten Proben dieser Stücke;denn sie liegen mir -- nachdem sie nun bald 15
Jahre als problematisch gelten und es nicht sind -- sehr am Herzen!