Berg, Alban: Brief an Anton von Webern. Berghof, 16.3.1920
nur einmal genug Zeit habe – die Führer, Klavierauszüge
u.s.w. Eine Arbeit, die ich eben zu einer ständigen
machen möchte, u. nicht nur zu einer gelegentlichen Schnell=
siederei. Auf diese Art würde – glaube ich – auch ein gleichmäßiger
Erwerb möglich sein. Und ich vergaß ganz: daneben na=
türlich so viel als möglich Stunden geben! – Komponieren?? Ja,
das wäre halt schön. Vielleicht gehts in den ein, zwei Sommermonaten!!
Außerdem habe ich ja auch immer wieder in den Angelegenhei-
ten meiner Mutter zu tun; sei es in der nächsten Zeit in der
komplizierten Verkaufsabwicklung, sei es in steuer= u.
dgl. Angelegenheiten in Wien.
Wenn ich mir all das vor Augen halte – und vor allem
die Notwendigkeit an einen Verdienst u. an die Zukunft zu den=
ken – glaube ich kaum, unüberlegt oder gar unrecht zu handeln.
Ich möchte gerne Deine Ansicht hören. Sag mir alles ganz
offen und ehrlich! Vielleicht hört der Verein ohnehin in Kürze
zu existieren auf; dann wäre mir der schwere Schritt der Absage
an Schönberg vielleicht erleichtert oder gar ganz erspart.
Sollte er aber fortbestehn, so würde mich noch etwas anderes
sehr bedrücken. Mein Austritt sieht vielleicht aus und ist
möglicherweise auch soviel wie eine Rücksichtslosigkeit
gegen Dich, dem ich die Lasten der Vortragsmeister=
schaft unbedingt tragen helfen müßte. Sei mir nicht