Berg, Alban: Brief an Anton von Webern. Berghof, 16.3.1920
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Die sind aber nunmehr noch verschärft. Ich habe – wenn ich nach
Wien käme – von zuhause nichts mehr zu erwarten: ich muß
also mehr denn je an‘s Verdienen denken. Du weißt aus Eige=
nem, daß die Stellung im Verein eine solche ist, daß man da=
neben nichts oder fast nichts verdienen kann. Dazu
kommt meine – auch hier nicht – fester gewordene Gesundheit, die
einem in jeder Hinsicht aufreibenden Dienst wie dem im Verein auf die Dauer nicht ge=
wachsen ist
All dies – natürlich viel detaillierter u. motivierter – will ich Schonberg –
sobald ich weiß, daß er in Wien ist u. ich bestimmt in Kürze nach
Wien kommen sollte – schreiben. Ich muß es tun, obwohl ich große
Angst habe, ihn deshalb bös zu machen. Aber vielleicht gelingt
es mir, ihn doch zu überzeugen. Ich möchte – wie ich Dir schon ein-
mal sagte – mich gern der „Musikschriftstellerei“ hingeben, daneben
Klavierauszüge etc. Schonbergs Werke schreien ja nach
all dem u. ich glaube auch darin etwas leisten zu können,
was auf einem höheren Niveau steht als meine Tätigkeit
im Verein, zu der mir so viel fehlt. Allein für die näch=
ste Zeit stehn mir Arbeiten bevor, die ich neben dem Verein nicht
leisten könnte: die endgültige Form des Pelleas=Führers, die
Broschüre für Hertzka (über Kopisten, Stecher u. Korrektoren), ein Schönberg=
heft des „Anbruch“ u. - falls die mir von Schönberg angetragene Schonberg=
Monographie bei einem Wiener Verlag noch nicht anderweitig vergeben
ist –, diese selbst. Hand in Hand damit gingen – wenn ich
Ist Schönberg tatsachlich in Amsterdam? Aus Mannheim scheint
nichts geworden zu sein! Wann dürfte Schonbg nach Wien kommen?