Bindtner, Josef: Brief an Gustav Gugitz. Wien, 20.8.1918
Da geht so ziemlich an jedem Morgen u. bei schönstem Sonnen-
schein ein heiliges Donnerwetter bei mir nieder, wenn
ich die hochwichtigen Neuigkeiten lese. Sie werden ohne
Zweifel wie jeder gute Staatsbürger in hellen Jubel
ausgebrochen sein darüber, daß die polnische Frage so nahe
ihrer Lösung gekommen ist. – Nun ist mir auch noch der
Strohhalm davon geschwommen, an den ich mich in dieser
Sündflut von Dummheit angeklammert habe, u. ich muß
elend versaufen – aber die polnische Thronfrage kommt
ihrer Lösung immer näher, u. ich kann ruhig in Gott
verscheiden u. habe nur mehr den einen Wunsch die
endgültige Lösung dieser für unsere Kultur so wichtigen
Fragen zu erleben – auch den Durchbruch, den endgiltigen
unwiderruflichen möchte ich noch erleben – den Durchbruch
der Vernunft! – Einstweilen kusch u. lies die Zeitung u.
laß dich ausplündern von Staats- u. anderen Falotten! –
Schon der alte Adolf Pichler spricht in seinen Tagebüchern,
die mir nicht übel vorkommen, von den "Diebsgriffen
des k. k. Gesindels." – Denken Sie, das Buch, worin
solches zu lesen, ist sogar heute zu haben, denn ich
habe mirs eben gekauft, übrigens bei Müller 1905
erschienen u. verramscht. - Den "Frieden" lese ich fleißig,
er bringt mitunter Ausgezeichnetes. _ Übrigens ist es
mir endlich doch geglückt von den Herren Müller A.-G.
meine 500 MK. herauszupressen, die mir bar u. hübsch in
Kronen umgesetzt zugegangen sind. Ich konnte sie leider
nicht bei Wimmer mit hübschen Freundinnen verprassen,
weil er nichts gescheidtes mehr zu essen hat u. ich den letzteren