Blittersdorff, Philipp: Brief an Gustav Gugitz. Ottensheim, 17.4.1914
Linz oder Salzburg versenden wollen. Es ist nämlich voriges Jahr vor-
gekommen, dass die " Linzer Tagespost " von Ihnen ( oder Müller )
und von mir ein Rezensionsexemplar bekam, was wohl überflüssig
ist. Ich möchte, wenn Müller mir die 4 angesprochenen Rez. Exempl.
abgibt, die Linzer Zeitungen und die Wiener " Zeit " jedenfalls selbst
versorgen.
Nun zu der Sie interessierenden Angelegenheit. Ich sitze
seit ca. 1 Monat über den mir von Cotta anvertrauten de Ligneschen
Fragmenten, die aus ca. 1200 Seiten ( Quart, doppelseitig und meist
halbbrüchig geschrieben ) der sogen. " Fragments de la vie du Prince
de Ligne" ( von Geburt bis ca. 1812, von 13 und 14 nur einige philos.
Betrachtungen ) und aus über 300 S. Grosskanzlei:Kopien von Briefen
berühmter Persönlichkeiten an Ligne ( Josef II., Katharina
II., Cobenzl, Potemkin, Lacy, Loudon, Kaiser LeopoldII, Franz I. etz)
bestehen.
Was nun die "Fragments" betrifft, so bin ich eher enttäuscht;
der Anfang ist passabel: er erzählt ganz amusant über seine Geburt,
seine vielen Hofmeister und Streiche, aber das ist mehr oder weniger
bereits bekannt. Dann folgen endlose Aphorismen und Notizen kunter-
bunt und ohne irgendeine Erklärung - er schrieb offenbar auf, was ihm
gerade durch den Kopf schoss. Von ca. 1808- 12 schrieb er eigenhän-
dig mit schrecklicher Klaue und fortwährendem Durchstreichen eine
Art Tagebuch, wo ganz interessante Stellen vorkommen, so über die
Schlacht von Aspern, Bemerkungen Napoleons in Dresden, verschiedene
Liebesabenteuer à la Casanova etz. Der Schluss 1813und 14 ist leider
ganz unbrauchbar, vom Kongress kein Wort.
Dazu kommt, dass Cotta gar keine Auskunft darüber geben
kann, ob von den "Fragments" jemals etwas gedruckt wurde, ich soll dies