Blittersdorff, Philipp: Brief an Gustav Gugitz. Ottensheim, 17.4.1914
vielmehr selbst herausbringen. Was Wien besitzt , habe ich bereits
durchgesehen, ich finde darin nichts ähnliches. Verschiedenes bekam
ich auch von Berlin, aber gerade die 2 wichtigsten Werke kann ich
bisher nicht bekommen. Meiner Ansicht nach könnten in diesen am
ehesten Bruchstücke aus den "Fragments" abgedruckt worden sein, nämlich
in " Oeuvres posthumes ", 6 Bände, Wien und Dresden 1817,8°.
" Fragments inédits des mémoires du maréchal Prince de Ligne "
( hiess ursprünglich " Fragments des mémoires de ma vie " und er-
schien 1845 und 46 in der Pariser " Revue nouvelle ".)
Vielleicht können Sie mir einen Rat geben: die Univers.
und Hofbibl. haben diese Werke nicht, in Dresden ebenso wenig. Viel-
leicht die Wiener Stadtbibl. ( ? )
Was nun die vielen Briefe anlangt, so meine ich, dass sie
wohl kaum unbekannt sein werden, obwohl ich in den Ligneschen gedr.
Werken wohl Briefe des Fürsten an versch. Personen, aber nicht umge-
kehrt finden kann. Wissen Sie etwas darüber?
Natürlich liesse sich aus den " Fragments " mit vielen
Kürzungen und Zusammenziehungen ein ganz nettes Opus machen, aber
eine deutsche Uebersetzung Ligneschen Esprit´s dürfte ein " Küchen-
latein " werden; wer aber sollte eine französ. Edition übernehmen,
höchstens Paris!! Zudem scheint Cotta wenig Neigung zu besitzen, für
die Herausgabe ein entspr. Honorar zu zahlen und - eine Heidenarbeit
wird es auf jeden Fall. Verschiedene Wiener Fachleute raten mir ent-
schieden ab, sie sagen beiläufig: Ligne war seinerzeit ganz interes-
sant, heute aber verlangt das Publikum andere Kost. Wenn nicht direkt
historisch Neues und Interessantes enthalten, hat die Edition keinen
Erfolg zu erhoffen. Auszugsweise einiges in Zeitschriften veröffent-