Goering, Gerd Hans: Brief an Ernst Krenek. o.O., 10.4.1930
zu geben. Ich bin mir im Augenblick zu wenig klar über
principielle Fragen und noch sehr im Zweifel, ob das Resultat
die aufgewendete Mühe lohnen wird. Ich will daher weiter gar keine
Berichtigungen vorbringen, ausser was den Kranz-Prozess betrifft.
Es kann natürlich nicht meine Absicht sein irgend eine
Darstellung dieses Casus zu geben. Wohl aber hat mich die Sache
von Anfang an sehr interessiert - allerdings nicht in der Richtung
des „FrühlingsErwachens” - ich habe in das Gesicht, also die
Photographie jener Hilde Scheller einzudringen versucht, um zu
sehen, was es mit dieser Jugend auf sich habe. Antworte: Nichts,
so ist es vielleicht das Nichts, was dargestellt werden will. Aber
das ist nicht ohne den Contrast möglich. Es kommt also
darauf an, ob dieser möglich gemacht werden kann.
Ich habe seinerzeit über den „Fall” einige paedagogische Debatten
mit meiner Frau abgeführt, aus denen sich ein Rest ergeben
hat. Kurz dieser Roman ist eine Entdeckungsreise für
mich und es kann mir wohl passieren, dass ich schliesslich
entdeckt habe, was die Spatzen auf den Dächern pfeifen. Das
ist dann mein Pech. - Ehe das ganze fertig ist, möchte ich
Dir lieber nicht irgend welche Teile vorlegen. Schon aus tech-
nischen Gründen; Abschriften zu tippen ist hier oben schwierig,
und dann ist die Wahrscheinlichkeit einer Umänderung bis
zum Schluss recht gross. Also bitte verzichte darauf. Augen -
blicklich bin ich übrigens an einer sehr entscheidenden
Stelle festgefahren und mache verzweifelte Anstrengungen,
wieder flott zu werden. -
Es sind jetzt wieder Verhandlungen im Gange, mich
doch nach Isny zu verlegen; und zwar vom „Chef” selbst