Goering, Gerd Hans: Brief an Ernst Krenek. o.O., 6.5.1932
Künstler" und nicht : "einem grossen und
edeln?? Darum nämlich, weil "einer der grössten
und Edelsten" ganz unverbindlich ist, es bleibt
ganz im Relativen, es ist keine Position. Und dann:
es gehört auch viel mehr Mut dazu, einen Künstler
"gross und edel" zu nennen. Einer der grössten und
edelsten ist jeder Bankdirektor bei jeder öffentlichen
Gelegenheit, bis die Polizei kommt. "Die Besonderheit
seines 'kunstvollsten' Zusammenhanges" ist
vollends der Ton, der diejenige Musik macht, für
welche die "23" nichts als ein Kusch! bereit haben
sollte. Eine ähnliche Sache passiert im Briefkasten
unter K. F. Wien III. "Wir haben ... Herrn Rosé ...
respektvollst gebeten". "Respektvollst" ist hier keine
Floskel in einem Werbeschreiben, sondern ein
Bericht, ja eine Richtigstellung (des Vorhalts nämlich,
mit Herrn Rosé ungebührlich verfahren zu haben).
Also muss es heissen "respektvoll" oder "durchaus
respektvoll" oder "auf's Respektvollste".- Die beabsichtigte
Pointe des letzten Satzes von "Ecce poeta" ist ohne
Gedankenstrich durch Umstellung zu erreichen: "Er
habe Anton Webern zu nennen nur vergessen!"
"Ein trauriges Dokument" ist polemisch sehr
matt. Ich fürchte, das blosse
Gejammere darüber, dass sich die Prominenten
Dirigenten usw. nicht mit der atonalen Musik
einlassen wollen, (mit dem Zusatz: "das ist Verderbt-