Goering, Gerd Hans: Brief an Ernst Krenek. o.O., 27.1.1932
wir nun, dass das Buchdramatische
Schaffen zweifellos an gewisse innere Vor-
aussetzungen geknüpft ist, an eine be-
stimmte seelische Constitution, so behaupte
ich, dass dieselbe Constitution oder eine
nächste Verwandte auch das moderne
Psychologische Drama geschaffen hat.
Denn hier ist die Menschen-Darstellung
so sehr in den Mittelpunkt des Interesses ge-
[r]ückt, Selbstzweck geworden, dass ihre
Fixierung, die Verfolgung und Auseinander-
legung von Motiven und Consequenzen
die Hauptaufgabe und Leistung des Dich=
ters bildet. Mir fehlt ein Gattungsname
für diejenige dramatische Kunst, deren
Exponent und Meister Sh. ist, jene näm-
lich, die Charaktere in eine Action
stellt: diese, die Action, und ihre Fixierung,
[au]ch ihre geistige Fixierung, ist Sache des
Dichters - die Fixierung des Charakters
Sache des Schauspielers. Es ist also Büh-
nen-Kunst in einem Spezial-Sinn.
(Unter den Neueren : Brecht, Trommeln
in der Nacht; Kaiser, Kanzlist Krehler)
Bei dieser Umschreibung ist aber dem Rück-
schluss vorzubeugen, es könne sich bei dieser
Gattung nur um Charaktere von grosser
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