dieses ganzen Betriebes. Interessant ist
nicht, wie einer ein Scheusal spielt; inte-
ressant ist, dass er selbst soetwas „an sich”
hat. Das Kinopublicum wünscht, dass Partner,
die im Film Lieben zusammen gespielt ha-
ben, auch wirklich heiraten. Es wird also
geheiratet bis zur nächsten Constellation,
dann läuft man wieder auseinander.
Bei so beschaffenen Dingen ist es dennoch
wenig wahrscheinlich, dass Timon eine Ver-
körperung auf der Bühne finden könnte.
Denn ein Prominenter müsste sich darin
selbst praesentieren können, und das wird
schon daran scheitern, dass diese Leute, im
Gegensatz zu Timon, ganz ungebrochene
Erwerbsinstinkte besitzen. Aber für einen
Schauspieler wär's eine unerhörte Aufgabe,
heute lohnender als je! Nämlich allen bio-
logischen, soziologischen, oekonomischen
Denkformen zum Trotz sich zum Helden
des Stückes zu machen, das Publikum zu
zwingen, mit ihm und zwar aus einem
Herzensgrunde zu verschwenden und zu
leiden und zu fluchen, und so das Bild
einer soziologisch, biologisch und oekonomisch
weniger gesicherten und entschuldigten aber menschlicheren
Welt zu erneuern. Aber freilich ein un-
zeitgemässes Unterfangen! Es ist mir durch-
aus verständlich, dass ein so zeitgebundener
Autor wie Bruckner darüber nicht weg-
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nicht, wie einer ein Scheusal spielt; inte-
ressant ist, dass er selbst soetwas „an sich”
hat. Das Kinopublicum wünscht, dass Partner,
die im Film Lieben zusammen gespielt ha-
ben, auch wirklich heiraten. Es wird also
geheiratet bis zur nächsten Constellation,
dann läuft man wieder auseinander.
Bei so beschaffenen Dingen ist es dennoch
wenig wahrscheinlich, dass Timon eine Ver-
körperung auf der Bühne finden könnte.
Denn ein Prominenter müsste sich darin
selbst praesentieren können, und das wird
schon daran scheitern, dass diese Leute, im
Gegensatz zu Timon, ganz ungebrochene
Erwerbsinstinkte besitzen. Aber für einen
Schauspieler wär's eine unerhörte Aufgabe,
heute lohnender als je! Nämlich allen bio-
logischen, soziologischen, oekonomischen
Denkformen zum Trotz sich zum Helden
des Stückes zu machen, das Publikum zu
zwingen, mit ihm und zwar aus einem
Herzensgrunde zu verschwenden und zu
leiden und zu fluchen, und so das Bild
einer soziologisch, biologisch und oekonomisch
weniger gesicherten und entschuldigten aber menschlicheren
Welt zu erneuern. Aber freilich ein un-
zeitgemässes Unterfangen! Es ist mir durch-
aus verständlich, dass ein so zeitgebundener
Autor wie Bruckner darüber nicht weg-
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