Geiger, Ludwig: Brief an Ottilie Franzos. Berlin, 17.3.1916
GEH. REGIERUNGSRAT
PROFESSOR DR. LUDWIG GEIGER
BERLIN, DEN............19
W. 50, SCHAPERSTR. 8.
Blatt 2
glaube, trotz aller Vaterlandsliebe and allen Pflicht-
bewusstseins, dass dem deutschen Heere mit einer solchen
Acquisition nicht besonders gedient sei.
Sonst leben wir in alter Weise. Edith ist körperlich
wohl, aber recht traurig, dass ihre Hoffnung, Eugen an
seinem Geburtstage hier zu sehen, getäuscht worden ist.
Emmi ist weiter freudig tätig, Martha arbeitet viel zu
viel und ärgert sich wie mir scheint, oft unnötiger-
weise. Ilse erfreut sich augenblicklich kurzer Ferien
und geniesst in Gesellschaft von Jünglingen ihr Leben.
Arthur, der jetzt unmittelbar dem Prof. Herzog unterstellt
ist, nach dem Du vor kurzem fragtest, ist mit diesem
zur Besichtigung einer Fabrik gestern in Hamburg gewesen
und muss in diesen Tagen vielleicht auf längere Zeit zu
gleichem Zwecke nach Hannover gehen. Ich bin nicht un-
fleissig, diktiere täglich drei Stunden, habe aber mit
Kleinigkeiten so viel zu tun, dass ich, obgleich ich alle
kürzeren Briefe eigenhändig erledige, trotz dieses langen
Diktierens zu meinen grösseren Arbeiten recht wenig
komme. Hoffentlich wird das von nächster Woche an
anders, wenn nicht, wie so häufig, immer wieder Dinge
dazwischen kommen, die schnell abgemacht werden müssen.
An eine Frühjahrsreise, zu der unsere Kinder
sehr zureden, denken wie diesmal nicht, teils wegen