11.XII. Heute zum Morgenthee kam ein Brief
vom Statthalter. Wie Tom in Aufruhr geriet!
Also hatten Sie schon gestern meinen Brief!
Ich schrieb zurück, unterstrich ein kurzes
Wort. Vielleicht gibt das den Ausschlag, daß
Sie mitkommen; wenn Sie sich nicht fürchten,
von 8 bis 2 Uhr auf „Lacroma“ allein zu sein
u. dort allein zu dejeunieren; Ihr Gatte
muß mit dem Kaiser auf Viribus dejeunieren.
Wie eine Frage auf Leben u. Tod, bewegte
es Tom. Wenn Sie mit Ihrem Gemal gegen
2 U. wie letztens herkommen, verliere
ich am nächsten Vormittag durch den Kai=
ser weniger glückliche Stunden, als letztens
durch das abscheuliche Attentat des Roten
Kreuzes. Daß Sie erst hergerufen wer=
den, wenn der K. schon abgereist ist, wie
S.E. vor hat, ist doch reiner Zeitenverlust, Glücksverlust.
Nach Ihrem letzten Brief hatte es den An=
schein, als ob nun die Aera der fortwähren=
den Krisen für immer abgeschlossen u.
eine unübersehbar lange Zeit der Seelen-
u. Herzensruhe in unserer Freundschaft
eingeleitet wäre. Das Vertrauen in
einander ist nun beiderseits ein vollkom=
menes; alle Zweifel an der Tiefe, Treue u.
Dauer unserer, beide gleich beglückenden
Freundschaft, soweit es auf uns ankommt,
sind endgiltig abgetan; keiner verlangt
oder erwartet etwas vom andern, was
dieser nicht geben kann u. will: warum
sollen wir jetzt u. in alle Zukunft das, was
wir beide als köstliche Himmelsgabe empfin=
den, nicht in aller Ruhe u. Sorgenlosigkeit freu=
dig genießen u. die Zukunft ebenso ruhig
Gott überlassen? Was für ein Anlaß sollte im Stande
sein, jetzt, wo wir so eines Sinnes sind, uns
wieder in Unruhe, Sorge u. Bangen
zu versetzen? Von Ihnen kann ich mir das noch
vorstellen; wie kann aber Tom mit seinem
ewig brodelnden, himmelhoch jauchzenden,
zu Tode betrübten, kindischem Herzen ruhig
vom Statthalter. Wie Tom in Aufruhr geriet!
Also hatten Sie schon gestern meinen Brief!
Ich schrieb zurück, unterstrich ein kurzes
Wort. Vielleicht gibt das den Ausschlag, daß
Sie mitkommen; wenn Sie sich nicht fürchten,
von 8 bis 2 Uhr auf „Lacroma“ allein zu sein
u. dort allein zu dejeunieren; Ihr Gatte
muß mit dem Kaiser auf Viribus dejeunieren.
Wie eine Frage auf Leben u. Tod, bewegte
es Tom. Wenn Sie mit Ihrem Gemal gegen
2 U. wie letztens herkommen, verliere
ich am nächsten Vormittag durch den Kai=
ser weniger glückliche Stunden, als letztens
durch das abscheuliche Attentat des Roten
Kreuzes. Daß Sie erst hergerufen wer=
den, wenn der K. schon abgereist ist, wie
S.E. vor hat, ist doch reiner Zeitenverlust, Glücksverlust.
Nach Ihrem letzten Brief hatte es den An=
schein, als ob nun die Aera der fortwähren=
den Krisen für immer abgeschlossen u.
eine unübersehbar lange Zeit der Seelen-
u. Herzensruhe in unserer Freundschaft
eingeleitet wäre. Das Vertrauen in
einander ist nun beiderseits ein vollkom=
menes; alle Zweifel an der Tiefe, Treue u.
Dauer unserer, beide gleich beglückenden
Freundschaft, soweit es auf uns ankommt,
sind endgiltig abgetan; keiner verlangt
oder erwartet etwas vom andern, was
dieser nicht geben kann u. will: warum
sollen wir jetzt u. in alle Zukunft das, was
wir beide als köstliche Himmelsgabe empfin=
den, nicht in aller Ruhe u. Sorgenlosigkeit freu=
dig genießen u. die Zukunft ebenso ruhig
Gott überlassen? Was für ein Anlaß sollte im Stande
sein, jetzt, wo wir so eines Sinnes sind, uns
wieder in Unruhe, Sorge u. Bangen
zu versetzen? Von Ihnen kann ich mir das noch
vorstellen; wie kann aber Tom mit seinem
ewig brodelnden, himmelhoch jauchzenden,
zu Tode betrübten, kindischem Herzen ruhig