ein Unbefriedigtsein, kurz, nicht den
Frohsinn u. die frische Genußfreudigkeit,
die ich für Sie erwartete. Schon müde?
Und die kerngesunde Natur, die ich immer
- ich kenne Sie ja schon so lange! - in Ihnen
sah! Ich war fast bestürzt. Lachen Sie mich,
bitte, aus! Beinahe wäre es mir lieber,
daß Sie im Wirbel des Vergnügens, der
Lebensbejahung (?) keine Zeit erübrigt
hätten, mir zu schreiben. Haben Sie
Verständnis für solche Selbstentäußerung,
die wirklich ganz ernst gemeint, aber
vielleicht etwas pathologisch ist?
Umsonst versuchte ich mir einzureden, daß
kein einziges am 15. geschriebenes Wort mir
wirklichen Grund zu Besorgnis gibt; der beun=
ruhigende erste Eindruck blieb haften. Nicht ein=
mal die innige Freude über meine noch am
gleichen Tage erfolgte Ernennung zu Ihrem
Geheimen Rat vermochte ihn zu verscheuchen.
Der mit dieser Würde verbundene Titel
„lieber Freund” ist der allerschönste, den ich mir
je wünschen konnte, den ich, als das holde Wun=
der in mir aufblühte, mir wohl nicht erträumt
hätte. Offen gestanden, machte ich mir damals
keine Hoffnung, Sie je, geschweige denn noch
öfters wiederzusehen. Ich bin ein Zweifler, nicht
so sehr an mir, sondern für mich; setze, um nicht
Enttäuschungen zu erleben, meine Hoffnungen
u. Erwartungen desto tiefer herab, je höher ich
das Ziel meiner Träume einschätze, daß mir
Kostbares gerne gegeben werde, kann u.
werde ich nie recht glauben, obwohl Sie, ver=
ehrte liebe Freundin, mich nun schon wiederholt
eines Besseren belehrt haben. Wenn ich nun
auch schon längst (!) vollkommen überzeugt bin,
daß Sie auch Kostbares gerne geben, wenn
Sie können, glaube ich doch, jeden einzelnen Fall
Frohsinn u. die frische Genußfreudigkeit,
die ich für Sie erwartete. Schon müde?
Und die kerngesunde Natur, die ich immer
- ich kenne Sie ja schon so lange! - in Ihnen
sah! Ich war fast bestürzt. Lachen Sie mich,
bitte, aus! Beinahe wäre es mir lieber,
daß Sie im Wirbel des Vergnügens, der
Lebensbejahung (?) keine Zeit erübrigt
hätten, mir zu schreiben. Haben Sie
Verständnis für solche Selbstentäußerung,
die wirklich ganz ernst gemeint, aber
vielleicht etwas pathologisch ist?
Umsonst versuchte ich mir einzureden, daß
kein einziges am 15. geschriebenes Wort mir
wirklichen Grund zu Besorgnis gibt; der beun=
ruhigende erste Eindruck blieb haften. Nicht ein=
mal die innige Freude über meine noch am
gleichen Tage erfolgte Ernennung zu Ihrem
Geheimen Rat vermochte ihn zu verscheuchen.
Der mit dieser Würde verbundene Titel
„lieber Freund” ist der allerschönste, den ich mir
je wünschen konnte, den ich, als das holde Wun=
der in mir aufblühte, mir wohl nicht erträumt
hätte. Offen gestanden, machte ich mir damals
keine Hoffnung, Sie je, geschweige denn noch
öfters wiederzusehen. Ich bin ein Zweifler, nicht
so sehr an mir, sondern für mich; setze, um nicht
Enttäuschungen zu erleben, meine Hoffnungen
u. Erwartungen desto tiefer herab, je höher ich
das Ziel meiner Träume einschätze, daß mir
Kostbares gerne gegeben werde, kann u.
werde ich nie recht glauben, obwohl Sie, ver=
ehrte liebe Freundin, mich nun schon wiederholt
eines Besseren belehrt haben. Wenn ich nun
auch schon längst (!) vollkommen überzeugt bin,
daß Sie auch Kostbares gerne geben, wenn
Sie können, glaube ich doch, jeden einzelnen Fall