als Ausnahme ansehen zu müssen, u. daß bei
meinem nächsten Wunsche ein „Ah, was denn noch!”
unausbleiblich sein würde. Auch ich gebe Freun=
den sehr gerne, aber nie scheint mir kost=
bar, was ich zu geben habe. Sie, liebe Freun=
din, scheinen mir ganz unbegreiflich be=
scheiden, mir gegenüber. Daraus schöpfe
ich die Hoffnung, daß Sie das verstehen, was
ich meine Tom-Natur nenne (von Apostel
Thomas, dem Zweifler). Ja, es schien mir so=
gar, als ob auch Sie etwas von dieser Natur
in sich hätten. Ich glaube, es hängt mit „Ver=
schlossenheit” zusammen, von der ich übrigens
an Ihnen, dem Himmel sei es gedankt! -
bisher nichts gemerkt habe.
Am 16. schreiben Sie nicht viel, aber lauter
so liebe Worte für Tom, daß sie ihn fast er=
drücken. Da verflog auch auf kurze Zeit
das Bange, von dem ich sprach, aber nur,
um am 17. desto stärker wieder über
mich zu kommen. Was Sie mir von Ihrem
bitteren Weh schreiben, hat mich tief ergrif=
fen. Vielleicht kein Gefühl ist in mir so stark
wie das Erbarmen. Da bin ich zu weich.
Ich kann nicht Leiden sehen; u. sei es ein
Tier, ich leide mit u. laufe davon. Von
Menschen, die ich liebe, kann ich auch nicht hö=
ren, daß sie leiden oder gelitten haben,
ohne Herzweh zu bekommen. Die Vorstel=
lung, daß Sie so gelitten, war mir uner=
träglich u. noch bitterer durch den Gedan=
ken, daß es vielleicht mit dem Zusammen=
bruch Ihres Idealbildes zusammen hänge,
von dem Sie mir andeutungsweise ge=
schrieben. Dieses hatte ich, da es mir frei=
stand, in die Zeit vor Ihrer Ehe verlegt, so
meinem nächsten Wunsche ein „Ah, was denn noch!”
unausbleiblich sein würde. Auch ich gebe Freun=
den sehr gerne, aber nie scheint mir kost=
bar, was ich zu geben habe. Sie, liebe Freun=
din, scheinen mir ganz unbegreiflich be=
scheiden, mir gegenüber. Daraus schöpfe
ich die Hoffnung, daß Sie das verstehen, was
ich meine Tom-Natur nenne (von Apostel
Thomas, dem Zweifler). Ja, es schien mir so=
gar, als ob auch Sie etwas von dieser Natur
in sich hätten. Ich glaube, es hängt mit „Ver=
schlossenheit” zusammen, von der ich übrigens
an Ihnen, dem Himmel sei es gedankt! -
bisher nichts gemerkt habe.
Am 16. schreiben Sie nicht viel, aber lauter
so liebe Worte für Tom, daß sie ihn fast er=
drücken. Da verflog auch auf kurze Zeit
das Bange, von dem ich sprach, aber nur,
um am 17. desto stärker wieder über
mich zu kommen. Was Sie mir von Ihrem
bitteren Weh schreiben, hat mich tief ergrif=
fen. Vielleicht kein Gefühl ist in mir so stark
wie das Erbarmen. Da bin ich zu weich.
Ich kann nicht Leiden sehen; u. sei es ein
Tier, ich leide mit u. laufe davon. Von
Menschen, die ich liebe, kann ich auch nicht hö=
ren, daß sie leiden oder gelitten haben,
ohne Herzweh zu bekommen. Die Vorstel=
lung, daß Sie so gelitten, war mir uner=
träglich u. noch bitterer durch den Gedan=
ken, daß es vielleicht mit dem Zusammen=
bruch Ihres Idealbildes zusammen hänge,
von dem Sie mir andeutungsweise ge=
schrieben. Dieses hatte ich, da es mir frei=
stand, in die Zeit vor Ihrer Ehe verlegt, so