Hegenbart, Fritz: Brief an Grete ... München, 21.9.1929
und ruht auf dieser Erde wo Knut
Hamsun spazieren geht.
Auf den Sternen Rostom und Alastine
liest man nicht, bildet künstlerisch nicht
weil man dort keinen Verstand braucht
man tut dort nichts wie raufen, lachen
essen und das Gegentheil, aber das schönste
ist halt doch dort - das Skilaufen.
Ich schicke dir von dort die nächste
Ansichtskarte.
Nun lebe wohl, ich habe mir zu meinem
Geburtstag sehnsüchtich etwas gewünscht
nämlich den Verstand zu verlieren. Ich
glaube sogar daß dieser Wunsch in
Erfüllung zu gehen scheint wovon dir
der Brief vielleicht schon ein Beweis
ist.
Ich begrüsse dich und bedanke mich
und vielleicht entschließt sich Else noch
einiges aus ihrem Geiste dir mit zu=
theilen der in ihren Kochtöpfen schlummert,
denn in nächsten Tagen soll ein
Diner stattfinden bei uns, da Herr
und Frau Hauk hier anwesend sind.
Bitte sage auch sämtlichen Damen meinen
Dank für die Wünsche auf der Karte zu meinem Ge=
burtstage. Warum
seid Ihr alle erst hinausgefahren um dort
draußen meinen Geburtstag zu feiern?
War das nötig?
Es begrüßt dich noch einmal dein
alter Schwager
Fritz
[Schrift von Else:]
Liebe Grete du siehst aus dem Brief, den er
gestern Nacht als ich längst schlief verfaßt hat, daß er in keiner schlechten Stimmung ist.
Denn wenn er auch innerlich über die heutigen geistigen Zustände deprimiert ist u. sich an die
Luft gesetzt fühlt, so war das gleichzeitige Sorgen um das Materielle noch niederdrückender.
Nun ist wenigstens auf eine kleine Zeit eine Verdienstarbeit da, das hebt schon seine Lebensgei-
ster. Wie geht es dir denn gesundheitlich? Kannst du schlafen? Nächstens kommt ein Korb Trau-
ben, habe schon auf dem Markt mit einer Frau verhandelt, mußte nur erst wieder auf Geld warten, daß Fr.
gestern von der Bank geholt hat. Seit vorgestern Nacht regnet es hier. Nun wirds bald Winter! Viele Grüße
E.