Kienzl, Hermann: Brief an Helene Kienzl. Wilmersdorf bei Berlin, 22.3.1917
getrieben, die mir um seinetwillen
leid taten. Vergebens deckt er
vor meinen Augen die Sklavenschwäche
mit Grundsatzstärke zu . . . Viel
schlimmer ist die Lage jetzt, wo
der Star gestochen u. er trotzdem
nicht im Stande ist, nach seiner
moralischen Einsicht zu handeln.
Rücksicht auf das Absolut=Schlechte
ist ein schlechtes Motiv .... Er mag
es vor sich selbst darstellen wie
er will: nur die befreiende Tat
kann ihn retten und - säubern.
Ächzt und gehorcht er weiter,
bleibt er in dem unwürdigen
Verhältnis, dann wird er
in jeder Hinsicht abwärts rollen.
Daß mir das nahe geht, magst
Du mir glauben. Ich erblicke
in Dir die einzige Kraft, die
helfen kann. Allerdings kannst
Du durchaus nicht helfen, wenn
Du auf die sentimentalen Ausflüsse
seiner Schwäche hörst, „mittragend”
und „mitleidend” - das halte
ich geradezu für verderblich - viel=
mehr nur, indem Du seine Erkenntnis,
seine Herzensehre u. das durch