Kienzl, Hermann: Brief an Wilhelm Kienzl. Wilmersdorf bei Berlin, 30.10.1925
Spaß des Originals müßte er selbstverständlich viele
poetische, aber nicht gerade sentimentale Einschläge
bringen. Überleg's, überleg's! (Die Meister=
singer=Analogie ist ja Unsinn! Nur aus der
Biographie Wagners ergiebt sich ja ein
Zusammenhang. Solche Ähnlichkeit haben sämmtliche
Dramen der Weltliteratur miteinander,
z. B. der König Ödipus mit dem Lumpaci=
vagabundus!)
Mir gehts körperlich nicht gut. Kein
Zweifel mehr, daß ich Arterienverkalkung
in den Beinen habe, besonders im linken.
Gehe ich nur 20 Schritte, so kommt der
Krampf (- aber Krampfadern hab ich nicht,
nur sind alle Muskeln vom Knöchel bis
zum Knie schmerzhaft, infolge mangelnder
Blutzufuhr.) Wenn ich also nicht mehr
den kleinsten Hügel besteigen kann, was hätte
ich im Hochgebirge suchen sollen? Am
normalsten befinde ich mich in meiner Stube,
und wenn mich irgendwohin die Elektrische nicht
gerade vor's Haus bringt, muß ich ein Auto
nehmen. Was allmählich Geld kostet. Dieser