Kienzl, Hermann: Brief an Wilhelm Kienzl. Wilmersdorf bei Berlin, 30.10.1925
2.
Scheißzustand hielt mich vor allem ab, die Volksbundreise
nach Wien mitzumachen. In der Folge hat sie
mir dann außerordentliche Unannehmlichkeiten
und Aufregungen verursacht - und bereitet
solcherlei mir immer noch - ohne daß ich selbst
unmittelbar in die persönlichen Schweinereien
verwickelt wäre, die nun zu einer gericht=
lichen Ehrenbeleidigungsklage unseres Dr. Mischler
gegen die Leute von der Wiener Ortsgruppe geführt
haben. Ja, meine lieben österreichischen Landsleute!
Wenn man Österreich ohne die Österreicher an
Deutschland anschließen könnte, wär's herrlich!
Binnen kurzem muß ja auch die Straf=
verhandlung in Mürzzuschlag sich abspielen,
nach der Privatklage Flohs gegen den
monarchistischen Lausbuben Grafen Deginhard
Wurmbrand. Du hast ja wohl in „Österreich=
Deutschland“ (Septemberheft) gelesen, daß der
Floh, unmittelbar nach seinem Aufenthalt in
Aussee, in Krieglach, wo ihn der alte Dr. Blau
blödsinnigerweise in eine feudale Gesellschaft
geschleppt hatte, von dem Husarenoberleutnant
einen Faustschlag erhielt, weil er