2.
auch in der „Technik”. - Drei oder vier Stühle für 40 Menschen.
Nicht einmal Kleiderhaken an den Wänden. In Windeseile
ziehen sich die 40 aus. Die Kleider, die Stiefel, alles
purzelt in den Winkeln der Stube durcheinander.
Im selben Raum die Radium=, die elektrischen - die
Röntgen= und andern Schreckmaschinen. Schon hat er
die ersten Opfer. Mitten im Gewimmel u. Durchei=
nander blitzt und surrt u. knallt es, die viel=
fältigen starken Lichter machen einen ganz verrückt.
Ich halte mich zuerst im Hintergrund, in der Annahme,
daß am Schluß der Unterhaltung für meine Untersuchung
mehr Zeit übrig bleiben würde. Da kommt der Sohn
des Zeileis (der Junge ist Dr. med.) auf
mich zu: „Sie sind der Komponist Kienzl?” (So
genau hatte man meinen Brief gelesen!) Die Richtig=
stellung hörte er in dem Höllenlärm vielleicht gar
nicht. Es geht alles mit Blitzesschnelle, kaum ist
ein verstört Dreinglotzender abgeprasselt, reißt der
Alte schon den nächsten heran. Ich kriege den Befehl:
„Ganz nackt ausziehen!” (Nebenbei: drei Damen
assistieren ... Na, mir machte es schon Spaß!) Nun
bin ich dran. Der Alte fährt mit dem Radiumstab
mir vom Scheitel über alle Vorder= und Hinterteile
langsam bis zu den Sohlen. Lange hält er das dunkel
leuchtende Zeug über die Augen (höchst unangenehm!),
ebenso auffallend lange über das große Gehirn im Hinter=
kopf und verblüffend genau (ich sagte ja kein Wort)
verweilt er bei den schmerzenden Stellen in Wade
und Fuß. Statt eine Diagnose zu äußern, hat er schon
den Elektrizitäts= (oder Radium?=) Spritzer ergriffen
auch in der „Technik”. - Drei oder vier Stühle für 40 Menschen.
Nicht einmal Kleiderhaken an den Wänden. In Windeseile
ziehen sich die 40 aus. Die Kleider, die Stiefel, alles
purzelt in den Winkeln der Stube durcheinander.
Im selben Raum die Radium=, die elektrischen - die
Röntgen= und andern Schreckmaschinen. Schon hat er
die ersten Opfer. Mitten im Gewimmel u. Durchei=
nander blitzt und surrt u. knallt es, die viel=
fältigen starken Lichter machen einen ganz verrückt.
Ich halte mich zuerst im Hintergrund, in der Annahme,
daß am Schluß der Unterhaltung für meine Untersuchung
mehr Zeit übrig bleiben würde. Da kommt der Sohn
des Zeileis (der Junge ist Dr. med.) auf
mich zu: „Sie sind der Komponist Kienzl?” (So
genau hatte man meinen Brief gelesen!) Die Richtig=
stellung hörte er in dem Höllenlärm vielleicht gar
nicht. Es geht alles mit Blitzesschnelle, kaum ist
ein verstört Dreinglotzender abgeprasselt, reißt der
Alte schon den nächsten heran. Ich kriege den Befehl:
„Ganz nackt ausziehen!” (Nebenbei: drei Damen
assistieren ... Na, mir machte es schon Spaß!) Nun
bin ich dran. Der Alte fährt mit dem Radiumstab
mir vom Scheitel über alle Vorder= und Hinterteile
langsam bis zu den Sohlen. Lange hält er das dunkel
leuchtende Zeug über die Augen (höchst unangenehm!),
ebenso auffallend lange über das große Gehirn im Hinter=
kopf und verblüffend genau (ich sagte ja kein Wort)
verweilt er bei den schmerzenden Stellen in Wade
und Fuß. Statt eine Diagnose zu äußern, hat er schon
den Elektrizitäts= (oder Radium?=) Spritzer ergriffen