Kienzl, Wilhelm: Brief an Lili Kienzl. Wien, 14.3.1919
II ad Brief vom 14. März 1919.
Mittwoch war ich im populären Konzert der
Philharmoniker (Mozart, Beethoven, Brahms)
u. in einem Teil des Konzertes der Geigerin
Frl. Duesberg (Direktionsloge), da sie doch
bei meiner letzten Kammermusik mit-
wirkte, ich also gegen sie auf-
merksam sein mußte.
Gestern Donnerstag hatte ich nur Steuer=
u. andere Lästigkeiten zu tun.
Also - wie Du siehst - nicht viel Neues!
Demnächst schreibe ich wieder.
Sei nicht bös; ich muß aufhören
u. zur Bank laufen, die sonst ge-
sperrt wird.
Lebe also wohl! Sei nicht trau-
rig, pflege Dich, grüße Ida u.
sei innig umarmt von Deinem
alten, auch nicht lustigen
Wilhelm.
P.S. Die Urania hat mich aus
freien Stücken verständigt wegen ihres
W. Kienzl=Abends. Er ist am 6. April.
Da muss ich auch helfen! - D.O.